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Mittelalter


Recklinghausen wird im Jahr 1017 erstmalig als Ricoldinchuson erwähnt. Ab 1150 wird die Stadt Mittelpunkt des so genannten "Vest Recklinghausen", einem Gerichts- und Verwaltungsbezirk für das gesamte Umland. Das Vest Recklinghausen gehört bis 1802 zum Kurfürstentum Köln. 1236 erhält Recklinghausen die vollen Stadtrechte.

Frühe Neuzeit


Zwischen 1514 und 1706 sind 100 Hexenprozesse aktenkundig. Höhepunkt der Hexenverfolgungen waren 1580 - 1581 und 1588 - 1589, als auch die Truchsessschen Wirren endeten. Letzte als Hexe verurteilte Frau war Anna Spickermann, nach 16 Monaten Haft und Folter 1706 Hinrichtung durch das Schwert, dann verbrannt.

19. Jahrhundert


Nach Aufhebung des Kurfürstentums Köln kommt das Vest Recklinghausen zum Herzogtum Arenberg, 1811 zum Großherzogtum Berg (Arrondissement Essen innerhalb des Ruhrdepartements) und 1814 zum preußischen Zivilgouvernement zwischen Weser und Rhein. 1815 wird das Vest endgültig preußisch und der Provinz Westfalen eingegliedert. Recklinghausen bildet eine aus mehreren Gemeinden bestehende Bürgermeisterei und wird Sitz eines Kreises. 1819 wird Herten und 1821 Erkenschwick Teil der Bürgermeisterei Recklinghausen. 1836 wird die Bürgermeisterei in die Stadt Recklinghausen (Einführung der revidierten Städteordnung) und der Landbürgermeisterei (ab 1844 Amt) Recklinghausen geteilt. Zur Stadt gehört die Altstadt und die Stadtteile Hillen und Bruch. Zur Landbürgermeisterei gehören Herten und die Bauerschaften Ebbelich, Langenbochum, Scherlebeck, Bockholt, Disteln, Löntrup, Lenkerbeck, Hüls, Hochlarmark, Stuckenbusch, Hochlar, Speckhorn, Sinsen, Siepen, Oer mit Alt-Oer, Erkenschwick, Essel, Berghausen, Röllinghausen und die Gemeinde Suderwich. 1857 scheidet Herten aus dem Amt Recklinghausen aus und bildet ein eigenes Amt. Am 1. April 1901 scheidet Recklinghausen aus dem Kreis aus und wird kreisfreie Stadt, bleibt aber weiterhin Sitz des Kreises.

Gebietsreform


1926 wird das Amt Recklinghausen aufgehoben und die Gemeinde Suderwich sowie die Bauerschaften Röllinghausen, Berghausen, Hochlarmark, Stuckenbusch, Hochlar, Bockholt, Speckhorn, Börste und Essel Süd nach Recklinghausen eingemeindet. 1949 wird Recklinghausen Großstadt. Am 1. Januar 1975 wird Recklinghausen im Zuge des 2. Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen in den vergrößerten Kreis Recklinghausen eingegliedert.

Einwohnerentwicklung


Im Jahre 1949 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt Recklinghausen die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. 1962 erreichte die Bevölkerungszahl mit 131.569 ihren historischen Höchststand. Ende Juni 2005 lebten in Recklinghausen nach Fortschreibung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen 121.827 Menschen mit Hauptwohnsitz.

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1833 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (1) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst. Die Angaben beziehen sich ab 1843 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1843 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Jahr  Einwohner    Jahr  Einwohner 
1300  1.050     16. Juni 1933 (1)  87.411 
1520  2.500     17. Mai 1939 (1)  86.313 
1782  2.030     31. Dezember 1945  86.098 
1830  3.135     29. Oktober 1946 (1)  89.787 
1. Dezember 1840 (1)  3.319    13. September 1950 (1)  104.791 
3. Dezember 1849 (1)  3.893    25. September 1956 (1)  123.835 
3. Dezember 1855 (1)  4.066    6. Juni 1961 (1)  130.581 
1. Dezember 1871 (1)  4.858    31. Dezember 1965  130.728 
1. Dezember 1875 (1)  6.100    27. Mai 1970 (1)  125.237 
1. Dezember 1880 (1)  7.296    31. Dezember 1975  122.437 
1. Dezember 1885 (1)  9.199    31. Dezember 1980  119.418 
1. Dezember 1890 (1)  14.041    31. Dezember 1985  117.897 
2. Dezember 1895 (1)  20.644    25. Mai 1987 (1)  119.991 
1. Dezember 1900 (1)  34.019    31. Dezember 1990  125.060 
1. Dezember 1905 (1)  44.396    31. Dezember 1995  127.216 
1. Dezember 1910 (1)  53.701    31. Dezember 2000  124.785 
1. Dezember 1916 (1)  54.052    31. Dezember 2005  121.827 
5. Dezember 1917 (1)  53.107    30. Juni 2006  121.674 
8. Oktober 1919 (1)  60.626       
16. Juni 1925 (1)   60.352       

(1) Volkszählungsergebnis

Religionen


Katholisch:
Recklinghausen gehörte von Anfang an zum Erzbistum Köln und war mit dem gesamten Vest dem Archidiakonat Dortmund unterstellt. Diese politische Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Köln ist Ursache dafür, dass die Reformation keinen Fuß fassen konnte. Daher blieb Recklinghausen über Jahrhunderte eine katholische Stadt. Nach Auflösung des Archidiakonats Dortmund 1612 bildete das Vest ein besonderes geistiges Kommissariat innerhalb des Erzbistums Köln. Die Propsteikirche St. Peter in Recklinghausen wurde die Mutterkirche für das gesamte Umland. Nach dem Übergang an Preußen (1815) wurden auch die kirchlichen Strukturen neu geregelt. So kam Recklinghausen 1821 zum Bistum Münster und wurde Sitz eines Dekanats, das später in die Dekanate Recklinghausen-Nord und Recklinghausen-Süd aufgeteilt wurde. Heute gibt es das Kreisdekanat Recklinghausen, das aus mehreren Dekanaten besteht. Dazu gehört auch das Dekanat Recklinghausen mit seinen Kirchengemeinden.

Evangelisch: Im 19. Jahrhundert zogen auch Protestanten nach Recklinghausen. Sie gründeten in der Mitte des Jahrhunderts ihre eigene Kirchengemeinde und erbauten 1847 in Recklinghausen die erste evangelische Kirche im Vest, die Gustav-Adolf-Kirche. Bis 1873 gehörte die Kirchengemeinde Recklinghausen und ihre Nachbargemeinde Dorsten zum Kirchenkreis Bochum, danach zum neu gebildeten Kirchenkreis Münster. Nachdem die evangelischen Gemeinden Ende des 19. Jahrhunderts stark wuchsen bzw. neue Gemeinden entstanden, war eine Teilung des Kirchenkreises Münster geboten. 1906 entstand der Kirchenkreis Recklinghausen in der Westfälischen Provinzialkirche der Evangelischen Kirche in Preußen, der späteren Evangelischen Kirche von Westfalen. Ihm gehören die 7 Kirchengemeinden der Stadt (Recklinghausen-Altstadt - Andreaskirche, Bruch, Recklinghausen-Hillerheide, Hochlarmark, Johannes-Kirchengemeinde, Philipp-Nicolai-Kirchengemeinde und Suderwich) an, die sich zum "Evangelischen Gemeindeverband Recklinghausen" zusammen geschlossen haben. Darüber hinaus umfasst der Kirchenkreis Recklinghausen die Kirchengemeinden in Herten, Marl, Datteln, Oer-Erkenschwick, Waltrop und Haltern am See.

Daneben gibt es in Recklinghausen auch noch verschiedene evangelische Freikirchen, darunter eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) und eine Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Ende 2005 lag der Anteil der katholischen Bürger bei 42,9 %, der evangelischen bei 28,2 %.

Weitere: Es befinden sich auch drei Versammlungen (Gemeinden) von Zeugen Jehovas in Recklinghausen. Die Neuapostolische Kirche ist ebenfalls im Ort vertreten.

Inzwischen existieren in Recklinghausen auch mehrere Moscheen. Fünf Moscheen werden vom Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ) zwei weitere vom Türkisch-Islamischen Verein betrieben. Außerdem existieren noch weitere islamische Gebetsräume, Kulturvereine und Gemeindezentren.

In der alten jüdischen Schule (heute Rabbi-Selig-Auerbach-Haus) unterhält eine kleine jüdische Gemeinde ein Begegnungszentrum. Im Keller befindet sich eine Mikwe, ein rituelles jüdisches Tauchbad.




Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Recklinghausen

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